Fünf Fails, bei denen ich am liebsten im Boden versunken wäre
- Oliver Lange

- 18. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Was mir frühe Fehler beigebracht haben und warum sie heute Teil meiner Professionalität sind

Fehler passieren. Vor allem dann, wenn man anfängt.
Heute sehe ich sie als Lernmomente. Damals fühlten sie sich an wie ein Schlag in die Magengrube. Situationen, in denen man innerlich hofft, dass niemand etwas merkt. Oder dass man die Zeit kurz zurückdrehen kann. Spoiler: kann man nicht.
Ich erinnere mich an einige dieser Momente sehr genau. Nicht, weil sie schön waren, sondern weil sie mich geprägt haben. Und weil vieles von dem, was heute selbstverständlich für mich ist, genau dort seinen Ursprung hat.
Der wohl schmerzhafteste Moment war ein Aftermovie mit stummen O-Tönen. Vier richtig gute Interviews, starke Aussagen, echte Emotionen. Alles fühlte sich richtig an, bis ich später feststellte, dass weder das kamerainterne noch das externe Mikrofon aktiv war. Kein Ton. Gar keiner.Das war kein technischer Fehler im engeren Sinne, sondern ein Aufmerksamkeitsfehler. Ich hatte aufgenommen, ohne vorher auf die Pegelanzeige zu schauen. Seitdem gehört dieser Blick zu meinem festen Ritual. Bevor der erste Take läuft, prüfe ich den Pegel. Immer.
Ein anderer Moment war das sogenannte Formatier-Fiasko. Nach einer Fotosession wollte ich Platz schaffen und habe die Speicherkarten formatiert. Routine, dachte ich. Blöd nur, dass die gerade aufgenommenen Fotos noch drauf waren.Dieser Fehler hat mir sehr klar gezeigt, wie wichtig feste Abläufe sind. Heute werden Karten ausschließlich vor einem Auftrag gelöscht. Und erst dann, wenn das Material gesichert ist. Punkt.
Dann gab es das Phantom-Mikrofon. Ich höre Ton, aber er ist leise, verrauscht, voller Wind. Der Kunde wartet, ich schwitze, die Zeit läuft. Nach zwanzig Minuten Panik die Erkenntnis: Ich nehme mit dem internen Mikro des Recorders auf. Das externe war nie aktiv.Früher gab es bei mir viele solcher Momente. Zu viele Menüs, zu viele Optionen, zu wenig Erfahrung. Heute ist mein Mikrofon nicht mehr per Line-In an der Kamera angeschlossen, sondern läuft immer über einen externen Recorder. Dort sehe ich sofort, ob ein Kanal aktiv ist, ob der Pegel stimmt und ob etwas nicht passt. Das gibt mir Kontrolle und Ruhe.
Ein Klassiker war auch der vergessene ND-Filter. Strahlender Sonnenschein, offene Blende geplant, schönes Bokeh im Kopf. Und dann die Realität: Blende elf, kein Spielraum, kein Autofokus, weil der nur bis Blende acht zuverlässig arbeitet.ND-Filter sind wie Sonnencreme. Man merkt erst, dass man sie vergessen hat, wenn es zu spät ist. Heute ist das kein Thema mehr. Ich arbeite fast ausschließlich mit Zoom-Objektiven und habe dafür genau einen passenden ND-Filter. Weniger Teile, weniger Fehlerquellen.
Und dann war da noch der V-Log-Fail. Ich dachte, ich filme wie immer, habe aber im Standard-Farbprofil aufgenommen. Die Highlights ausgebrannt, die Schatten abgesoffen, kaum Spielraum in der Farbkorrektur.Auch hier war die Ursache kein technischer Defekt, sondern fehlende Struktur. Heute sind meine Kameras klar konfiguriert. C1 ist Foto, C2 ist Video mit V-Log. Kein Hin- und Herschalten mehr, kein Vergessen. Die Kamera macht genau das, was sie soll.
All diese Fails sind in meinen Anfängen passiert. In einer Zeit, in der ich viel ausprobiert habe, wenig automatisiert war und oft unter Druck stand. Technik ist gnadenlos ehrlich. Sie verzeiht keine Unachtsamkeit, aber sie belohnt Struktur.
Heute nehme ich mir bewusst Zeit, bevor ich einen Auftrag vorbereite. Meine Technik ist im Studio sauber sortiert. Nach jedem Einsatz wird alles wieder an seinen Platz geräumt. Volle Speicherkarten sind kein Thema mehr. Kabel, Akkus, Mikrofone sind dort, wo sie hingehören.Ich kenne die Menüs meiner Kameras. Ich weiß, wo welche Einstellung sitzt. Und wenn etwas nicht funktioniert, weiß ich auch, wo ich suchen muss.
Diese Routine ist nicht über Nacht entstanden. Sie ist das Ergebnis vieler kleiner Fehler und der Entscheidung, aus jedem einzelnen zu lernen. Nicht mit Scham, sondern mit Konsequenz.
Am Ende habe ich jedes dieser Projekte irgendwie gerettet. Aber viel wichtiger ist: Sie haben mich besser gemacht. Ruhiger. Strukturierter. Verlässlicher.
Perfektion ist kein Startpunkt. Sie ist ein Nebenprodukt von Erfahrung. Und die beginnt fast immer mit einem Fail.







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