Jahresrückblick 2025
- Oliver Lange

- 16. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Ein persönlicher Rückblick zwischen Selbstständigkeit, Familie und Verantwortung

2025 war kein Sprint, sondern ein Balanceakt.
Gefühlt ist dieses Jahr schon vorbei, lange bevor es tatsächlich endet. Wenn ab dem zwanzigsten Dezember langsam Funkstille einkehrt, Termine wegfallen und das Telefon seltener klingelt, entsteht endlich der Raum, um zurückzuschauen. Nicht aus Pflicht, sondern weil der Kopf es braucht.
Für mich war 2025 kein lineares Jahr. Es war kein stetiger Aufstieg und kein klarer Plan, der einfach aufgegangen ist. Es war ein Jahr voller Brüche, Entscheidungen, Zweifel, Wachstum und echter Entwicklung. Ein Jahr, das mich mehr gefordert hat als viele davor.
Der Start im Januar war alles andere als glorreich. Eine Teilzeitanstellung, lange Tage, oft erst gegen neunzehn Uhr zu Hause. Ein Familienleben am Limit. Meine Frau in Elternzeit, ich körperlich und mental oft abwesend. Das Gefühl, überall gebraucht zu werden und gleichzeitig nirgends wirklich präsent zu sein. Arbeit, Familie, Verantwortung, alles gleichzeitig und doch nichts richtig.
In dieser Phase hatte ich oft das Gefühl, mich selbst zu verlieren. Nicht, weil die Arbeit keinen Sinn hatte, sondern weil sie mir den Raum genommen hat, den ich brauche, um gut zu sein. Als Mensch, als Partner, als Vater und als Kreativer.
Im April kam dann der Befreiungsschlag. Die Kündigung. Der Schritt zurück in die volle Selbstständigkeit. Keine leichte Entscheidung, aber eine notwendige. Plötzlich war sie wieder da, diese Klarheit. Die Möglichkeit, mich voll auf meine Arbeit als Foto- und Videograf zu konzentrieren. Nicht nebenbei, nicht eingeschränkt, sondern mit voller Aufmerksamkeit.
Die Umsätze zogen an. Langsam, aber spürbar. Ein finanzielles Polster entstand. Zum ersten Mal seit langer Zeit echte Zuversicht. Nicht euphorisch, sondern ruhig. Das Gefühl, dass es wieder tragen könnte, wenn ich dranbleibe.
Im Juni folgte ein Monat Frankreich. Gemeinsame Elternzeit. Der Laptop blieb weitgehend zu. Termine rückten in den Hintergrund. Stattdessen Zeit. Gespräche. Alltag. Die Erkenntnis, dass sich Arbeiten und Familie nicht ausschließen müssen, wenn man die Bedingungen selbst gestaltet. Dass Freiheit nicht bedeutet, immer zu arbeiten, sondern entscheiden zu können, wann man es nicht tut.
Zurück in Leipzig wartete die Realität. Neue Projekte, neue Chancen, aber auch neue Herausforderungen. Der Wiedereinstieg meiner Frau in den Job. Die Kita-Eingewöhnung. Krankheiten. Organisation. Dieses ständige Jonglieren, bei dem man nie das Gefühl hat, alles im Griff zu haben, sondern nur gerade so mitzuhalten.
Und dann kam der Oktober.
Plötzlich Leere. Keine neuen Anfragen. Zahlungen verzögerten sich. Rechnungen offen, Ausgaben laufen weiter. Diese bekannte Unruhe. Existenzangst. Ein Flashback zum Vorjahr. Ich merkte, wie schnell alte Muster wieder hochkommen können, wenn die äußere Sicherheit wackelt. Wie nah man manchmal an einem Stimmungstief steht, auch wenn objektiv schon viel geschafft ist.
Ich war kurz davor, wieder in dieses Loch zu rutschen.
Aber es drehte sich. Nicht schlagartig, nicht dramatisch, sondern Schritt für Schritt. Eine Agentur, mit der ich jetzt ein Pilotprojekt starte und perspektivisch regelmäßig zusammenarbeiten möchte. Ein Mitarbeiter-Shooting für dreitausend Euro im Januar. Zwei große Angebote an einen Kunden, die mir Stabilität für das neue Jahr geben. Zwei weitere Drehs im Dezember. Kleine und große Signale, die zusammen ein Bild ergeben.
Zum ersten Mal dieses Gefühl: Es trägt.
Parallel habe ich investiert. Nicht aus Konsumlust, sondern aus Überzeugung. In meine Arbeit. In meine Prozesse. In meine Professionalität. Eine zweite Kamera, um flexibler zu sein. Ein neues Gimbal, um ruhiger zu arbeiten. Ein lichtstarkes Allround-Zoom, das mir im Alltag Zeit spart. Mehr Speicher, bessere Tools, ein Arbeitsplatz im gemeinsamen Studio.
Auch strukturell hat sich viel getan. Ein Geschäftskonto, das übersichtlich ist. Eine Buchhaltungssoftware, die mir Arbeit abnimmt. Klare Abläufe, feste Prozesse. Alles mit dem Ziel, schneller, besser, effizienter und souveräner zu arbeiten. Nicht, um mehr zu hustlen, sondern um mehr Kontrolle zu haben.
Ich bin dankbar für Empfehlungen. Für Menschen, die an mich denken, wenn sie jemanden für Foto oder Video brauchen. Für mein Netzwerk. Für Kundinnen und Kunden, die mir vertrauen. Und dafür, dass ich meinen Traum leben kann. Mit Fotografie und Videografie mein Leben zu finanzieren, meine Familie zu versorgen und dabei trotzdem ich selbst zu bleiben.
2025 war laut. Chaotisch. Fordernd. Es hat mich geprüft und an vielen Stellen gezwungen, genauer hinzusehen. Aber vor allem war es ein Schritt nach vorn. Kein großer Sprung, sondern ein solides Fundament.
Und genau darauf freue ich mich. Auf alles, was darauf aufbauen darf.







Kommentare