Wie mir KI beim Ton regelmäßig den Rücken freihält
- Oliver Lange

- 16. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Warum gute Tonaufnahme vor Ort zählt – und KI trotzdem unverzichtbar ist

Manchmal läuft es einfach nicht nach Plan.
Du stehst draußen, führst ein spontanes Interview, hast dein Boom-Mikrofon mit Deadcat dabei und bist eigentlich gut vorbereitet. Und trotzdem pfeift der Wind durchs Mikro. Irgendwo im Hintergrund fährt ein Hubwagen vorbei, jemand bohrt, Türen schlagen, Stimmen hallen. Alles Dinge, die in dem Moment dazugehören und sich nicht einfach abschalten lassen.
Ein zweiter Take ist oft keine Option. Der Moment ist vorbei. Die Person muss weiter. Das Programm läuft. Gerade bei Events oder Terminen mit wenig Zeit entscheidet sich in Sekunden, ob ein Interview stattfindet oder nicht.
Genau hier beginnt der Spagat zwischen Authentizität und technischer Realität.
Ich arbeite viel vor Ort. Bei Veranstaltungen, bei Unternehmen, bei Kundenterminen, die nicht für Filmproduktion gebaut wurden. Und genau das macht diese Situationen wertvoll. Die Atmosphäre, die Eindrücke, die echten Menschen. All das lässt sich nicht im Studio nachstellen. Wer authentische Einblicke zeigen will, muss rausgehen und dort drehen, wo das Leben passiert.
Der Preis dafür ist Lärm.
Früher habe ich versucht, dieses Problem im Nachhinein klassisch zu lösen. Stunden in Audition, mit EQs, Noise-Gates, Denoisern, manueller Frequenzarbeit. Viel Zeit, viel Feinarbeit und oft trotzdem ein Ergebnis, das zwar besser, aber nicht wirklich gut war. Vor allem dann, wenn mehrere Störgeräusche gleichzeitig im Spiel waren.
Heute gehe ich anders damit um.
KI-Tools wie LALAL.AI haben meine Arbeitsweise beim Ton grundlegend verändert. Nicht, weil sie Magie sind, sondern weil sie genau dort ansetzen, wo klassische Werkzeuge an ihre Grenzen kommen. Ich lade die Audiodatei hoch und lasse mir Sprache und Umgebungsgeräusche trennen. Zwei Spuren, sauber voneinander getrennt.
Ich lege beide Spuren übereinander, senke das Hintergrundgeräusch um etwa fünfzehn bis zwanzig Dezibel und plötzlich klingt der Ton wieder nach Interview. Nicht nach Baustelle, nicht nach Eventhalle, sondern nach einem Gespräch zwischen zwei Menschen.
Natürlich ist das kein Allheilmittel. Manchmal frisst die KI einzelne Silben oder verschluckt Worte. In solchen Fällen hilft es, Musik oder Atmo darunterzulegen. Und ganz ehrlich: In einem fertigen Video hört niemand den Ton isoliert. Er steht immer im Kontext von Bild, Musik und Schnitt. Und genau dort funktioniert diese Lösung hervorragend.
Für mich ist dabei entscheidend, dass KI hier unterstützt, nicht ersetzt.
Ich will keine Interviews komplett synthetisieren. Ich will keine Stimmen austauschen oder Emotionen künstlich erzeugen. Im Gegenteil. Mir geht es darum, echte Situationen zu retten. Situationen, die es wert sind, gezeigt zu werden, auch wenn die Bedingungen nicht perfekt waren.
Denn Perfektion ist selten vor Ort zu finden.
Gerade bei Events ist Lautstärke Teil der Realität. Menschen reden, Technik läuft, Räume hallen. Man kann das Mikrofon noch so nah an die Person bringen, irgendwann stößt man an physikalische Grenzen. Und genau an diesem Punkt helfen mir KI-gestützte Tools enorm.
Auch in Premiere nutze ich inzwischen regelmäßig integrierte Sprachverbesserungen. Kleine Eingriffe, gezielte Optimierungen, ohne den Charakter der Stimme zu zerstören. Der Ton bleibt echt, aber er wird verständlich. Und das ist am Ende das Ziel.
Ich finde es wichtig, das klar zu trennen. KI ersetzt keine saubere Arbeit vor Ort. Sie ersetzt keine gute Mikrofonierung, keine bewusste Entscheidung für einen geeigneten Ort, keine Erfahrung. Aber sie erweitert den Spielraum. Sie gibt mir Sicherheit, auch dann zu drehen, wenn die Bedingungen schwierig sind.
Und genau diese Sicherheit brauchen meine Kunden.
Viele meiner Auftraggeber schätzen, dass ich flexibel bin. Dass ich mich auf Situationen einlasse, die nicht planbar sind. Dass ich auch dann liefere, wenn der Zeitplan eng ist und die Umgebung nicht ideal. Sie wissen, dass am Ende ein Ergebnis entsteht, das funktioniert.
Nicht, weil ich alles der KI überlasse, sondern weil ich weiß, wo sie sinnvoll eingesetzt werden kann.
Natürlich gibt es Produktionen, bei denen das nicht reicht. Große Filmprojekte, aufwendig geplante Drehs, Situationen, in denen absolute Kontrolle nötig ist. Dort muss die Umgebung ruhig sein, dort wird anders geplant, dort gelten andere Maßstäbe.
Aber der Großteil meiner Arbeit findet nicht unter Laborbedingungen statt. Er findet mitten im Alltag statt. Und genau dafür sind diese Werkzeuge gemacht.
Am Ende geht es für mich immer um Authentizität. Um echte Eindrücke, echte Emotionen, echte Menschen. KI hilft mir dabei, diese Authentizität hörbar zu machen, nicht sie zu ersetzen.
Vielleicht ist das der wichtigste Punkt. Technik darf unterstützen, aber sie darf nicht die Geschichte übernehmen. Sie ist Mittel zum Zweck. Nicht mehr und nicht weniger.
Und wenn sie mir dabei regelmäßig den Rücken freihält, dann nutze ich sie genau dafür.







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